von Ingeborg Bartsch - Lichtenhorst

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von Ingeborg Bartsch

Geschichte > Erinnerungen

Erinnerung an Lichtenhorst 1940/41
Eine Erzählung von Ingeborg Bartsch

Ich war gern in Lichtenhorst, aber es ist schon fast 70Jahre her!

Damals ging ich in Hannover auf die Sophienschule. Es war Krieg, die Männer waren Soldaten, und wir Schülerinnen sollten in den Herbstferien 1940 bei der Kartoffelernte helfen.

Annelore Vornberger, Erika Jentzsch und ich, Inge Struck, kamen deshalb nach Lichtenhorst zu Familie von Weyhe. Frau von Weyhe nahm uns liebevoll auf. Wir freuten uns darüber: In Lichtenhorst gab es keinen Fliegeralarm und wir konnten in den Nächten durchschlafen. Die Verpflegung war deutlich besser als bei uns, es gab genug Eier, Fleisch, Butter, ... zu Hause mussten wir mit dem auskommen, was es auf Marken gab, und das war nicht viel. Die Arbeit auf dem Kartoffelacker fiel uns nicht allzu schwer. Wir lernten es, Hühner und Enten zu füttern.





Mit dem beiden Kindern, Friedhelm und Rosemarie vertrugen uns auch gut. Das alles machte uns viel Spaß.Manches habe ich im Laufe der Jahre vergessen. Herrn von Weyhe lernten wir auch kennen. Ich glaube mich zu erinnern, dass er ein paar Tage nach uns auf Urlaub kam.

Anschließend behielt ich Kontakt zu Frau von Weyhe, sie besuchte mich sogar einmal in Hannover und brachte meiner Familie ein paar Lebensmittel. Bei der Gelegenheit lud sie Annelore, Erika und mich für die Ostertage 1941 zu sich ein.Wir fuhren per Fahrrad dorthin. Es waren ein paar schöne Tage!
Wir halfen ihr auch ein bisschen in Haus und Hof, aber vor allem spielten wir mit den Kindern, unter anderem „Eierschießen“, - ein Spiel, dessen Regeln ich vergessen habe, aber ich weiß noch, dass wir hartgekochte Eier sehr weit warfen.

Wir lernten auch die Eltern von Frau von Weyhe kennen. Sie hießen „von Aschoff“und wohnten ganz in der Nähe.
Außerdem kam gelegentlich ein Junge etwa in Friedhelms Alter zu uns. Er ließ sich „Bauer“ nennen und hatte offensichtlich Spaß daran, seine Reden mit deftigen Ausdrücken, die bei uns verpönt waren (Scheiße, Arsch, ...) zu würzen. Seinen Namen kenne ich nicht; aber es war wohl auch ein „von“ dabei. Ich glaube, mir wurde mitgeteilt, dass die Familien „von Weyhe“, „von Aschoff“ und die Eltern von „Bauer“ aus dem Osten gekommen sind und ihr Land selbst urbar gemacht hatten. Aber da bin ich nicht sicher. Vielleicht kann Friedhelm, der noch lebt, etwas dazu sagen. Ich würde ihn gern danach fragen
Nach dem Osterbesuch hatten wir alle zwar noch Kontakt miteinander, aber alle Kontakte verloren sich allmählich, als wir zu Ostern 1942 die Schule verließen, zum Arbeitsdienst und Kriegshilfsdienst eingezogen wurden und danach unsere eigenen Probleme (Krieg, Nachkriegszeit, Häuser kaputt, Studium, Familiengründung usw.) hatten. Erst sehr viel später ­– die Sophienschule feierte ein Jubiläum und hatte alle ehemaligen Schülerinnen dazu eingeladen – traf sich unsere ehemalige Klasse wieder. Wir verabredeten von da an ein regelmäßiges Klassentreffen im Abstand von ein oder zwei Jahren. Noch vor 5 Jahren war Annelore zum letzten Male dabei, und Erika vor 3 Jahren. Annelore lebt noch, ist aber verwirrt, Erika lebt nicht mehr.
Durch Zufall stieß ich auf die Internetseite von Lichtenhorst und die Erinnerung wurde wach. Ich nahm Kontakt zu Bernhard Langenkamp auf. Er schickte mir Bilder vom ehemaligen „Aschenhof“ und einen Nachruf für Herrn von Weyhe.
Ich wohne in der Nähe von Frankfurt am Main, und komme einmal im Jahr zum Klassentreffen nach Hannover.
Vielleicht mache ich dabei im nächsten Jahr einen Abstecher nach Lichtenhorst, um zu sehen, wie es jetzt dort aussieht.

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